Hype um den „Club“ – Hersbrucker Zeitung (28.12.2017)

1957 bestritten Kicker des FC Hersbruck zwei Spiele in Leipzig

HERSBRUCK – Dort ist die Heimat des ersten Deutschen Fußballmeisters und seit einigen Jahren sorgt die aktuell beste Elf der Stadt zwar sportlich für Furore, wegen eines umstrittenen Investors zugleich aber immer auch für Gesprächsstoff. Ausschließlich positive Schlagzeilen machten zwei Mannschaften des 1.FC Hersbruck, als sie sich vor 60 Jahren nach Leipzig aufmachten und zwei Freundschaftsspiele gegen die Betriebssportgemeinschaft (BSG) Georg Schwarz Einheit Süd bestritten.

Georg Hartmann („Hopple“) war es in Zeiten des kalten Krieges gelungen, den Besuchgenehmigenzu lassen. Drei Tage dauerte der Aufenthalt der „Ersten“ und der Alten Herren hinter dem „eisernen Vorhang“, und die noch lebenden Spieler erinnern sich an eine jederzeit gute Verköstigung in privatenQuartieren. Beide Spiele fanden vor einem überraschend zahlreichen Publikum in der Südkampfbahn statt, die später Georg-Schwarz-Sportpark hieß und heute Alfred-Kunze- Sportpark genannt wird. Damals fasste die am Forsthaus Raschwitz gelegene Anlage bis zu 25000 Zuschauer, beinahe unglaubliche 15000 Leipziger wollten die zwei Teams aus Hersbruck sehen.Die „Erste“ des FC kickte damals in der 2. Amateurliga und sollte im folgenden Jahr mit dem Sprung in die Bayernliga für einen Höhepunkt der Vereinsgeschichte sorgen. In Leipzig trafen die Schwarz Weißen auf ein Team aus der 1. Amateurliga der DDR. Die mit Arno Franz,Lenz Odörfer,Hans Beck, Alfred Schuster, Franz Martin, Georg Schmidt („Gobel“), Karlheinz Pierner, Werner Maul („Bou“), Hans Schuster (Hasser), Alfred Liß („Jimmy“), Erwin Pfann („Setterer“) und Sepp Wasse angetretenen Gäste gewannen beinahe sensationell mit 6:1 – dank der Treffer von Hans Schuster (3), Erwin Pfann (2) und Alfred Liß. Die Leipziger brauchten dagegen einen Elfmeter, um zu ihrem Ehrentreffer zu kommen. Eher gesellschaftlichen Charakter hatte dann das Match der Alten Herren, das ebenfalls vor großer Kulisse stattfand. Das Ergebnis dieses Vergleichs bleibt trotz intensiver Recherche im Dunkel der Geschichte vermisst, ein Foto beider Teams aber belegt zumindest die außergewöhnlich große Zuschauermenge und auch, mit welchem Team die AH antrat – von Fritz Hartmann (gen. „Scheißer“, späterer Hausmeister der Volksschule am Schlossplatz) über Max Zinkl,Konrad Scharrer (Fahrer des Landrats und jahrzehntelang Berichterstatter des FC für die HZ), Holzhändler Rudl Braun, Torwart Erich Strohmaier, Willi Beck („Zwerch“), Hans Wagner, Karl Odörfer („Park“), Platzwart Henser Odörferund Heinrich Ringelbis zu Ludwig „Dank“ Burkhard, den Kassier des Fußballclubs. Auf Leipziger Seitekickte Heinz Künzelmit, der später nach Hersbruck zog und bei den Odörfers wohnte.

Die Gegeneinladung zum Rückspielwurdedanninnerhalbvonnur acht Tagen vom Sportkomitee der DDR abgelehnt, so dass es letztendlich erst im Jahre 1990 zu einer „Revanche“beim hiesigen Club kam, die Hersbruck mit 7:2 abermals sehr deutlich gewann. Aufgeboten von der 1957er Mannschaftwaren da noch Georg Schmidt, Arno Franz, Lenz Odörfer, Werner Maul und Erwin Pfann.

Sepp Wasse erinnert sich noch gerne und gut an den Ausflug nach Leipzig: Verschmitzt lachend erzählt er von einem an der Autobahn aufgestellten Straßenschild mit einer deutlichen Warnung an die Gäste aus Hersbruck: „Westdeutsche, lasst unsere Frauen in Ruhe!“, stand da in großen Lettern geschrieben. FRANZ SCHMIDT

Die „Alten Herren“ des 1. FC Hersbruck kickten anno 1957 vor großen Publikum in Leipzig: Zu sehen sind Lorenz Odörfer als Offizieller, Fritz Hartmann, Max Zinkl, Konrad Scharrer, Rudl Braun, Erich Strohmaier, Willi Beck, Hans Wagner, Karl Odörfer, Henser Odörfer, Heinrich Ringel und Ludwig Burkhard (hinten v. links). Bei Leipzig (vorne, dunkle Trikots) spielte mit Heinz Künzel (kniend 5. v. rechts) ein späterer Wahl-Hersbrucker. Foto: privat

2017-12-29T14:24:23+00:00