„Club“-Kicker weiter in Feierlaune? – Hersbrucker Zeitung (10.03.2018)

Interview mit Stefan Erhardt, dem Trainer des 1.FC Hersbruck zum Rückrundenauftakt der Bezirksliga Nord

HERSBRUCK – Am morgigen Sonntag starten die Fußballer des 1. FC Hersbruck in die Rückrunde der Bezirksliga: Nach einem bärenstarken Jahr 2017 und mit fünf ausstehenden Nachholspielen gilt der aktuelle Tabellensiebte nicht wenigen als Geheimtipp auf den Platz direkt hinter dem designierten Meister Herzogenaurach. Die HZ sprach mit Erfolgscoach Stefan Erhardt (kleines Foto) über Matchglück, Mittelfeldpressing und eine Mammutaufgabe.

Ihre Mannschaft hat eine exzellente Vorrunde hingelegt – mit nur zwei Niederlagen in 17 Spielen. Und das, obwohl der „Club“ in der Saison davor lange als Abstiegskandidat gehandelt wurde. Wie erklären Sie sich die „Leistungsexplosion“?

Stefan Erhardt: Da gibt es nicht den einen Grund dafür. Im Sommer 2016, nach unserem Aufstieg in die Bezirksliga, hatten wir nur 13 Tage Zeit für die Vorbereitung auf die neue Saison. Und wir hatten ausschließlich Spieler – das galt auch für unsere Neuzugänge wie Gabriel Karnoll –, die nie zuvor oder schon lange nicht mehr in der Bezirksliga gespielt haben. Deshalb mussten wir viel Lehrgeld bezahlen. In der Winterpause haben wir dann sehr gut trainiert und uns eine gute Grundlage geschaffen. Dazu kam, dass unsere Spieler Erfahrungen gesammelt und sich gut weiterentwickelt haben. Nicht zu vergessen: Wir hatten auch das Matchglück hin und wieder auf unserer Seite – wir haben kaum mal einen Gegner mit 4:0 weggeputzt, aber etliche knappe Siege eingefahren.

Einer der viel zitierten Schlüssel zum Erfolg war sicher die Abwehr – gerade einmal 16 Gegentore sprechen für sich.

Auch da liegt der Ansatz noch in der Vorbereitung auf die Rückrunde 2017. Wir haben uns damals gesagt, dass wir mehr Stabilität brauchen, und uns ein System überlegt, mit dem wir kompakter stehen. Seitdem arbeiten wir im 4-4-2 gegen den Ball, mit Mittelfeldpressing – da weiß jeder genau, was zu tun ist. Geholfen hat uns zum Beispiel auch, dass wir Tobias Ascher aus dem Angriffszentrum auf die „Sechs“ zurückgezogen haben. Er ist ballsicher, kopfball- und zweikampfstark. Und wir können mit unseren schnellen Spielern wie Alex Brüx schnell umschalten und so für Gefahr vor dem gegnerischen Tor sorgen.

Der FC Hersbruck „schlummert“ derzeit auf Rang sieben, hat aber fünf Partien weniger als das Gros der Liga absolviert. Was geht da noch in der jetzt beginnenden Rückrunde?

Da kann ich jetzt nur was Langweiliges antworten (lacht). Ich will jetzt nicht vom Klassenerhalt reden, so selbstbewusst sind wir inzwischen schon. Aber für uns ist jedes Spiel eine Herausforderung, wir müssen uns jedes Mal voll reinhauen. Wir haben zum Beispiel gegen den Vorletzten Kirchehrenbach nur 0:0 gespielt, weil wir da nicht 100 Prozent unserer Leistung abrufen konnten. Wir wollen natürlich jedes Spiel gewinnen und werden garantiert keinen Dampf rausnehmen. Wie im vergangenen Jahr gilt für uns: Niemals aufgeben! Aber rein qualitativ sehe ich schon sechs, sieben bessere Teams in der Bezirksliga. Cagri Spor, unseren Gegneram Sonntag, halteich für das stärkste Team in der Spitzengruppe.

Nach Ostern wechselt Ihre Elf in den „Europapokal-Modus“ – bis Anfang Mai folgt eineenglische Woche auf die andere. Wird’s dem Trainer da ein bisschen flau in der Magengrube?

Ich seh’ das eher positiv, wir haben ja nichts zu verlieren. Natürlich, wenn wir viele Verletzte haben oder einen Negativlauf erwischen, wäre eine Trainingswoche sicher besser für uns. Das ist schon eineMammutaufgabe,wir haben ja auch Angestellte oder Schichtarbeiter, für die ist das gar nicht soeinfach, mittwochs abends mal eben nach Kirchehrenbach oder Nürnberg zu fahren. Aber rein sportlich finde ich das schon reizvoll.

Hand aufs Herz: Wo steht Ihre Mannschaft nach 34 Spielen, kämpft sie anschließend in der Relegation vielleicht sogar um den Aufstieg in die Landesliga?

Schwer zu sagen. Ich bin grundsätzlich sehr ehrgeizig,aber für uns ist die Bezirksliga das Nonplusultra und es wäre ein richtig guter Erfolg, wenn wir uns langfristig etablieren und hie und da gute Spieler aus unseren Jugendmannschaften einbauen können. Sollten wir uns für die Relegation qualifizieren, werden wir da sicher nicht mit Absicht verlieren – aber ich denke, der Verein ist noch nicht so weit,um Landesligazuspielen.Und wenn wir nach einem Aufstieg sang- und klanglos wieder absteigen würden, könnte das all unsere gute Arbeit der vergangenen Jahre schnell wieder kaputtmachen.

Interview: KLAUS PORTA

2018-03-12T09:24:03+00:00