Spitzenspiel mit Fußball vom Feinsten – Nürnberger Zeitung (07.05.2018)

Hersbruck arbeitet mit 4:1 über Herzogenaurach auf ein Relegationsendspiel hin

Spitzenspiel mit Fußball vom Feinsten

Von Philipp Roser

HERSBRUCK — Nur selten hält eine Begegnung das Versprechen, das die Ankündigung „Spitzenspiel“ verheißt. Anders beim Aufeinandertreffen des Zweiten und Ersten in der Bezirksliga Süd: Sowohl der gastgebende FC Hersbruck als auch der bereits als Meister feststehende FC Herzogenaurach demonstrierten technisch, taktisch und spielerisch eine Halbzeit lang Fußball vom Feinsten, und auch die zweite Hälfte bot den 150 Zuschauern immer noch Ansehnlicheres, als in dieser Spielklasse in der Regel zu sehen ist.

Vor allem die Gäste legten los wie die Feuerwehr, als ob sie die Ankündigung beflügelt hätte, dass Lothar Matthäus am nächsten Sonntag gegen Hüttenbach seine definitives Abschiedsspiel in ihren Reihen, eben im Trikot seines Heimatvereins bestreiten wird. Früh profitierten sie von einer Schlafmützigkeit der Hausherren: Die ließen sie ungestört eine Ecke kurz ausführen und schauten auch nur zu, als Kapitän Eric Stübing parallel zum Strafraum lief und ungestört aus halbrechter Position abziehen konnte. Sein Schuss ging durch Freund und Feind hindurch ins Hersbrucker Gehäuse, während sich Hersbrucks Trainer Stefan Erhardt die Lunge aus dem Leib schrie, um seine Spieler auf die Gefahr aufmerksam zu machen.

„Wir haben in den ersten zehn Minuten ein bisschen verschlafen, konnten zum Glück aber schnell ausgleichen“, bilanzierte Erhardt nach der Partie. Und auch diesem Tor ging ein Fehler voraus: Herzogenaurachs Keeper Maximilian Gumbrecht kam bei einem weiten Ball heraus, rief dies Spielertrainer Jacob Karches auch zu, der zögerte – doch der Torwart verpasste den Ball, holte stattdessen den Hersbrucker Angreifer von den Beinen, so dass Rene Bongers der Ausgleich per Foulelfmeter nicht mehr schwerfiel.

Gumbrecht blieb weiter im Fokus: Erst lenkte er einen abgefälschten Schuss der Hausherren gerade noch über die Latte (8.), doch unmittelbar vor der Pause unterlief ihm der nächste Bock: Er unterlief einen weiten Schlag des Gegners, der auf dem holprigen Platz tückisch vor ihm aufsetzte – Tobias Ascher hatte keine Mühe, zum 2:1 zu nicken.

Beide Teams gaben permanent Gas, die Szenen wechselten mit rasantem Tempo. Während der gesamten 90 Minuten boten sich beiden Mannschaften gute Chancen, doch die Hersbrucker schlugen konsequenter daraus Kapital: so, als Alexander Brüx einen schnellen Konter über drei Stationen zum 3:1 nutzte. Oder als Innenverteidiger Gabriel Karnoll, der beste Mann auf dem Platz, nach einem wilden Gestocher im Herzogenauracher Strafraum zum 4:1 abstaubte und die Partie nach endgültig entschied (68.).

„Wir haben mehr individuelle Fehler gemacht, die die Hersbrucker bestraft haben – außerdem waren sie einen Tick entschlossener“, konzedierte Karches. Allerdings stellte er – zutreffend – in Abrede, dass sein Team mit dem Meistertitel in der Tasche nicht voll bei der Sache gewesen sei. „Höchstens ein, zwei Prozent“ hätten gefehlt. „Allein schon aus Gründen der sportlichen Fairness“ habe sein Team Vollgas gegeben, die Hausherren jedoch einen Tick bissiger zur Sache gegangen seien.

Hersbruck: Bauernfeind, Bauerfeld, Karnoll, Dill (76. Schimpfhauser), Ertel, Ascher, Mertel (84. Guenther), Brüx, Bongers, Kreuzer (57. Schneider), Maas / H‘aurach: Gumbrecht, Geinzer (57. Rahe), Burckhardt, Karches, Kratz, Staniszewski, Maschke (57. Ronneburg), Göller (68. Scheller), Amling, Rockwell, Stübing / SR: Wißerner (SV Laufamholz) / Tore: 0:1 Stübing (4.), 1:1 Bongers (6., Foulelfmeter), 2:1 Ascher (45.), 3:1 Brüx (61.), 4:1 Karnoll (68.) / Zuschauer: 150.

2018-05-14T10:05:33+00:00