„Immer 110 Prozent geben“ – Hersbrucker Zeitung (27.07.2018)

„Immer 110 Prozent geben“

1. FC Hersbruck will mit Leidenschaft weiter die Bezirksliga Nord aufmischen

HERSBRUCK (kp) – „Wir hoffen, dass die Mannschaft den nächsten Schritt nach vorne macht und das Bestmögliche rausholt.“ Nach der grandiosen Vorsaison der Bezirksligafußballer des 1. FC Hersbruck samt des vorher nicht zu erwartenden „i-Tüpfelchens Relegation“ tritt Abteilungsleiter Senioren, Fabian Lämmermann,vordem Saisonstartam Sonntag (Anstoß:15 Uhr) gegen den ASV Fürth ein wenig auf die Euphoriebremse – ganz bewusst.

Warum das nach einer Spielzeit, in der die Elf von Trainer Stefan Erhardt souverän auf Platz zwei der Bezirksliga Nord stürmte und dabei in Sachen Gegentreffer (31), wenigste Niederlagen (4) und Auswärtspunkte (37) Bestwerte aufstellte? Ganz einfach: In einer Liga, in der (fast) jeder jeden schlagen kann, gab es in der abgelaufenen Saison ein eindrucksvolles Beispiel, wie schnell Erfolg ins Gegenteil umschlagen kann: „Die SG Nürnberg-Fürth hat vor zwei Jahren auch Relegation gespielt und ist jetzt abgestiegen“, warnt Lämmermann.

Starke Entwicklung

Weil aber Schwarzmalerei ebenso wenig seine Sache ist wie allzu große Euphorie, glaubt der 27-jährige Abteilungsleiter fest daran, dass für den „Club“ vom Potenzial her ein einstelliger Platz „machbar“ ist. Wie groß dieses ist, haben die Kicker aus dem SIG-Sportpark seit ihrem Aufstieg in die höchste mittelfränkische Liga vor zwei Jahren immer wieder unter Beweis gestellt – nach einer ruppigen „Findungsphase“ mit einigen herben Rückschlägen in der Vorrunde 2016/17 fand sich das Team, machte mit einer bärenstarken Rückrunde den Klassenerhalt vorzeitigperfektundknüpfteinder vergangenen Spielzeit nahtlos an diese „Performance“ an.

Nach der 1:3-Heimniederlage im Derby gegen die Sp Vgg Hüttenbach am vierten Spieltag blieb die Erhardt-Truppe zwölf Spiele in Folge ohne Niederlage und avancierte zum ersten Verfolger des da schon enteilten Spitzenreiters und späteren Meisters FC Herzogenaurach. Auch nach Ostern, als der „Club“ wegen einer Reihe an Nachholpartien in fünf Wochen elf Spiele absolvieren musste, zeigten sich die Schwarz-Weißen wenig beeindruckt und beendeten die „Mammutaufgabe“ mit vier Siegen am Stück, darunter ein 5:0 in Hüttenbach, ein 4:1 gegen Herzogenaurach und das 2:1 bei Türkspor Nürnberg, mit dem sie im direkten Duell mit dem einzig verbliebenen Widersacher die Vizemeisterschaft vorzeitig „eintüteten“.

Gerade diese Begegnung ist für Lämmermann so etwas wie ein Spiegel der Saison: „Da hatten die Jungs so einen Lauf, dass es ihnen völlig egal war, als die Türken das 1:0 schossen – die haben sich einfach gegenseitig angefeuert, ihr Ding weiter durchgezogen und das Spiel gedreht.“ Schlüssel zum Erfolg in diesem wie in jedem anderen Spiel zuvor: der „extrem gute Teamgeist“(Lämmermann)unddie mannschaftliche Geschlossenheit einer seit Jahren zusammengewachsenen Einheit, in der „jeder für jeden kämpft, jeder mit dem Ball umgehen kann und den nötigen Ehrgeiz hat“, so der Abteilungsleiter.

Das zeigte sich auch nach dem ernüchternden 1:5 im ersten Relegationshinspiel gegen den SV Etzenricht – dem wohl schwersten Brocken im Topf der möglichen Gegnerinder Qualirunde–,alssich die Hersbrucker nach ihrer ersten Enttäuschung schnell berappelten und im Rückspiel eine starke Partie ablieferten.

Wenig überraschend also, dass die Verantwortlichen beim „Club“ nichts am bewährten Erfolgsrezept ändern wollen.Wie schon vor der vergangenen Saison – in der die beiden Eigengewächse Dominik Kreuzer, der bis zur B-Jugend dem Leder beim FSV Erlangen-Bruck hinterher jagte und in fast allen Saisonspielen auflief, sowie Lukas Hermann voll einschlugen –, wird das Team nur punktuell verstärkt, wie gewohnt mit talentierten, jungen Spielern aus der Umgebung.

Neben dem vom FC Amberg II nach Hersbruck gewechselten Daniel Leitenbacher – der 23-Jährige wohnt in Leinburg und spielte schon in Lauf und Diepersdorf – stoßen mit dem Henfenfelder Jannik Völkel und dem Happurger Patrick Dummert zwei Spieler aus der U19 des SK Lauf sowie mit Tayyip Kara ein „Club“-Eigengewächs zum mit 23 Mann ziemlich breit aufgestellten Kader.

„Riesenschritt gemacht“

Die Hoffnungist,dasssichdievier ähnlich gut entwickeln wie ihre neuen Mannschaftskameraden in den vergangenen Jahren. Stellvertretend nennt Lämmermann in diesem Zusammenhang Philipp Bauerfeld, der mit seinen gerade einmal 24 Lenzen „in den letzten beiden Jahren einen Riesenschritt gemacht hat“ und in die Rolle des zweikampf- wie kopfballstarken Abwehrchefs hineingewachsen ist.

Auch an der Spielphilosophie wird sich nichts ändern: Erfolgscoach Erhardt – der einen Gutteil seiner aktiven Laufbahn damit zubrachte, gegnerische Angriffsbemühungen zu beenden – vertraut weiter auf zwei zuverlässige Torhüter, eine kompakt stehende Defensive mit den pfeilschnellen Außenverteidigern Jens Ertel und Rene Bongers und nicht weniger flinke Angreifer, die die Mittelfeldstrategen wie Gabriel Karnoll jederzeit mit punktgenauen 40-Meter- Pässen ins Spiel bringenkönnen.Unddie fanden in der Vorsaison mit Ralf Maas (16 Tore), Rene Bongers (13), Alex Brüx (12) und Tobias Ascher (9) gleich vier dankbare Abnehmer.

Auch diese Unberechenbarkeit der schwarz-weißen Offensivabteilung ist Teil der Erfolgsgeschichte, die ab Sonntag weiter geschrieben werden soll. Doch Fabian Lämmermann gefällt sich trotz der rosigen Aussichten eben auch in der Rolle des Mahners: „Wir dürfen die Sache keinesfalls zu leicht nehmen und müssen mit demselben Ehrgeiz rangehen wie in der vergangenen Saison“, sagt er. Oder,in den Worten von Coach Stefan Erhardt: „Wir müssen immer 110 Prozent geben!“ Kader: Markus Bauernfeind, Maurizio Schneider; Stefan Erhardt, Christian Günther, Julian Schneider, Philipp Bauerfeld, Alexander Brüx, Jens Ertel, Hannes Herrmann, Michael Mertel, Gabriel Karnoll, René Bongers, Lukas Hermann, Max Dill, Andreas Schimpfhauser, Dominik Kreuzer, Christopher Franz, Tobias Ascher, Ralf Maas, Mathias Geng, Patrick Dummert, Tayyip Kara, Daniel Leitenbacher, Daniel Weidinger, Jannik Völkel Neuzugänge: Daniel Leitenbacher (FC Amberg II), Patrick Dummert, Jannik Völkel (beide SK Lauf U 19), Tayyip Kara (eigene Jugend)

Abgänge: Max Dill (Laufbahn aus beruflichen Gründen unterbrochen)

Trainer: Stefan Erhardt (wie bisher) und Christian Günther (aus dem eigenen Verein)

2018-07-27T09:38:13+00:00