Quo vadis, „Club“? – Hersbrucker Zeitung (26.07.2019)

1. FC Hersbruck will die „Rückrunden-Seuche“ hinter sich lassen

HERSBRUCK (kp) – Welches Gesicht zeigen die Fußballer des 1. FC Hersbruck in der heute Abend beginnenden Saison der Bezirksliga Nord? Das der letzten Vorrunde, als sie nahtlos an eine „Traumsaison“ anknüpften und munter an der Tabellenspitze mitmischten – oder das der Rückrunde, als sie unter einer chronischen VerletzungsseuchelittenundumeinHaar zurück in die Kreisliga mussten?

Fabian Lämmermann, Abteilungsleiter Senioren der „Schwarz-Weißen“, wird jetzt noch ganz flau bei der Erinnerung an das Frühjahr, als dem „Club“ das Pech zentimeterdick an den Stollen klebte. Ein Leistungsträger nach dem anderen meldete sich mit (teils schweren) Verletzungen ab, etliche Spiele gingen in den Schlussminuten verloren (oder die Hersbrucker kassierten in der Nachspielzeit noch den Ausgleich) und die Mannschaft trudelte vom sicheren siebten Platz im freien Fall Richtung Abstiegsränge.

Dennoch übte sich die sportliche Leitung um Lämmermann, Sportvorstand Hansi Herrmann und den unbeirrt weiter auf sein Team vertrauenden Trainer Stefan Erhardt – wie auch, für viele sicher überraschend, das bekannt kritische und ungeduldige Umfeld – in stoischer Ruhe. Und wurde am vorletzten Spieltag für diese für manchen schon an Defätismus grenzende Gelassenheit belohnt, als Jens Ertel ausgerechnet beim da noch als Aufstiegsanwärter gehandelten ASV Veitsbronn mit seinem einzigen Saisontor dem FC Hersbruck zum alles entscheidenden 1:0-Sieg verhalf. Freudentränen, grenzenloser Jubel, Klassenerhalt geschafft!

„Zugspitze vom Herzen“

Stefan Erhardt – trotz der Pleitenserie beim FC Hersbruck nie in der Diskussion – fiel nach dem Abpfiff laut eigenem Bekunden „kein Stein, sondern gleich die ganze Zugspitze vom Herzen“, erinnert sich Lämmermann an den bislang einzigen „Club“-Pflichtspielsieg in diesem Jahr. Dem sollen nun tunlichst weitere folgen.„Wir wollen so schnell wie möglich 40 Punkte einfahren“, sagen Lämmermann und Erhardt unisono, „um unsere Mannschaft in aller Ruhe weiter entwickeln und in der Bezirksliga etablieren zu können.“ Und die Vorzeichen für dieses Vorhaben stehen günstig: Mit Innenverteidiger Daniel Bergler und seinem allerdings wohl noch bis zur Winterpause auf der „Inaktiv-Liste“ geführten Bruder Florian Bergler – ein spielstarker „Sechser“ – kehren vom SK Lauf zwei lange Jahre in der Ferne (unter anderem beim SC Feucht und 1. FC Nürnberg) weilende Eigengewächse zu ihrem Heimatklub zurück.

Gleiches gilt für den Regionalliga- erprobten Michael Pfann, der sich nach Engagements beim FC Eintracht Bamberg, der SpVgg Bayreuth und DJK Ammerthal in den vergangenen Jahren beim FC Reichenschwand als Trainer der dortigen „Ersten“ und zuletzt des Frauenteams so etwas wie Kultstatus erarbeitet hat. Als sicher auch öfter auflaufender Co-Trainer wird Pfann( Lämmermann:„Ein echtes Pfund für uns“) dem nach wie vor ziemlich jungen Team „allein mit seiner Erfahrung und seinem Auftreten sehr viel weiterhelfen können“, ist der 28-jährige Abteilungsleiter überzeugt.

Nothelfer und Meister

Das wird vor allem der Handvoll Jugendspieler im mit 28 Mann sehr breiten Kader gut tun, die bei der „Verletzungsseuche“ im Frühjahr für die strauchelnde „Erste“ die Kohlen mit aus dem Feuer holte und „nebenbei“ auch noch souverän den Meistertitel in der U19-Kreisliga einfuhr. „Die Jungs haben sich trotz der Doppelbelastung prima geschlagen“, lobt Lämmermann die starken Auftritte von Franz Pfeiffer, Leon Dierig, Valentin Feldmeier, Johannes Altwasser, Maximilian Kim, Johannes Träg und Tobias Wild.

Ihren „Härtetest“ in der höchsten mittelfränkischen Liga verdankten die Jungspunde auch Coach Erhardt, der trotz der Personalmisere – zeitweise musste er gleich acht Nachwuchsspieler ins kalte Bezirksliga-Wasser werfen – nicht auf Kicker aus der „Zweiten“ zurückgreifen wollte, um deren da noch sehr vitale Hoffnungen auf den Kreisligaaufstieg nicht zu schmälern. Belohnt wurde dieses Wagnis mit durch die Bank starken Vorstellungen. So kaufte Franz Pfeiffer – obwohl alles andere als Gardemaß für diese Position – als Innenverteidiger etlichen gegnerischen Stürmern den Schneid ab und Johannes Altwasser gelang beim Remis gegen die SVG Steinachgrund kurz vor Schluss das wichtige 2:2.

Und Altwasser legte in der Vorbereitung gleich nach, erzielte schon etliche Tore und ist auf dem besten Weg in die Stammformation, die am Sonntag Aufsteiger SV Tennenlohe zum ersten Heimspiel der Saison empfängt (Anstoß: 15 Uhr, alle anderen Heimauftritte bis Ende November sind dann samstags um 14.30 Uhr angesetzt). „Er trifft zurzeit wie er will“, sagt Lämmermann.

Das wäre willkommene Entlastung für die drei Torschützen vom Dienst, Alex Brüx (15 Treffer), Ralf Maas (14) und René Bongers (9). Allesamt verlässliche Korsettstangen einer Elf, die auch in schwierigen Phasen stets mit großer Geschlossenheit, Teamgeist und unbändigem Einsatzwillen überzeugte. Stellvertretend führt Lämmermann im Gespräch mit der HZ hier Maas an, der nicht nur eine Menge, oft wichtiger Tore schießt, sondern „vorne viele Bälle sichert und sich immer den Allerwertesten aufreißt“, oder auch Bongers, der in der Spielzeit 2018/19 keine einzige Minute versäumte. Kaum überraschend also, dass sich an der Spielphilosophie nichts ändern wird: Stefan Erhardt vertraut weiter darauf, dass seine Jungs „in aller Seelenruhe aufbauen, Ball und Gegner laufen lassen und clever nach vorne spielen“, sagt Lämmermann. Die Voraussetzungen dafür sind mit zwei zuverlässigen Torhütern, zweikampfstarken Defensivkräften, pfeilschnellen Außenverteidigern und flinken Angreifern gegeben.

Nur eines sollte auf gar keinen Fall passieren–dass sich wieder ein Spieler nach dem anderen verletzt abmeldet. „Wenn wir wieder in so eine Negativserie wie in der Rückrunde rutschen, könnten unsere Jungs anfangen an sich zu zweifeln“, sagt Fabian Lämmermann. Weil er jedoch nicht zu Schwarzmalerei neigt, schiebt der Abteilungsleiter diese negativen Gedankenspiele auch ganz schnell wieder beiseite: „Ich bin mir sicher, dass uns das heuer nicht noch einmal passieren wird.“

Kader: Markus Bauernfeind, Maurizio Schneider; Christian Günther, Julian Schneider, Daniel Bergler, Philipp Bauerfeld, Jens Ertel, Franz Pfeiffer, Florian Bergler, Michael Pfann, Hannes Herrmann, Michael Mertel, Gabriel Karnoll, René Bongers, Leon Dierig, Lukas Hermann, Andreas Schimpfhauser, Alexander Brüx, Valentin Feldmeier, Maximilian Kim, Tobias Ascher, Ralf Maas, Johannes Altwasser, Tayyip Kara, Daniel Leitenbacher, Jannik Völkel, Johannes Träg, Tobias Wild

Neuzugänge: Michael Pfann (FC Reichenschwand), Daniel Bergler, Florian Bergler (beide SK Lauf), Johannes Altwasser, Leon Dierig, Valentin Feldmeier, Maximilian Kim, Franz Pfeiffer, Johannes Träg, Tobias Wild (alle eigene Jugend)

Abgänge: Dominik Kreuzer (SV Henfenfeld), Mathias Geng (SG Am Lichtenstein)

Trainer: Stefan Erhardt, Tobias Ascher (wie bisher) und Michael Pfann (zuletzt FC Reichenschwand, Frauen)

2019-07-26T12:15:01+02:00