Und der Rasen wartet weiter … – Hersbrucker Zeitung (09.06.2020)

Bayerischer Fußballverband beschließt Verlängerung der Spielzeit um ein Jahr – Wechselfenster bleibt

PEGNITZGRUND (ap) – Noch immer wissen die Fußballvereine nicht, wann die Saison fortgesetzt wird. Der Bayerische Fußballverband schweigt sich dazu aus, beschäftigt sich stattdessen mit dem Thema „Vereinswechsel“.

So hat der BFV-Vorstand beschlossen, die von der Lösungs-Arbeitsgruppe „Vereinswechsel“ erarbeiteten Vorschläge zu Vereinswechseln im bayerischen Amateurbereich der Männer und Frauen umzusetzen: Demnach gibt es vor einer Fortsetzung der aktuell unterbrochenen Saison auch in der Phase der Corona-Zwangspause ein Wechselfenster innerhalb des etabliertenZeitraumsvom 30. Juni bis zum 31. August – allerdings zu den Modalitäten des Winterwechsel-Fensters, um den Vereinen ein Höchstmaß an Schutz zu bieten, teilt der BFV mit. Das bedeutet, dass der abgebende Verein dem wechselwilligen Spieler grundsätzlich die Freigabe erteilen muss. Andernfalls greift eine sechsmonatige Sperre.

„Wir nehmen die neuen Wechselfristen hin, so wie sie sind“, sagt Horst Hutzler, Vorsitzender des FC Reichenschwand.Manhabesichim Verein informiert, darüber diskutiert und sei zum Schluss gekommen: „In dieser Zeit gibt es kein „Richtig“ oder „Falsch“. Die Antworten hierzu liegen erst in der Zukunft, nach Corona.“ Hans Herrmann, Sportvorstand des FC Hersbruck, hält das beschlossene Wechselrecht für „konsequent und logisch“. Denn man befinde sich aktuell bei „Saisonhalbzeit“. Unabhängig davon habe der Verein bereits von Trainern und Spielern der ersten und zweiten Mannschaft die Zusagen erhalten, dass sie diese Spielzeit „auf jeden Fall zu Ende spielen werden“, so Herrmann.

Abwarten beim Torhüter

Mit einer Ausnahme: Vor Wochen habe laut Herrmann Sven Enzensberger vom SK Lauf zugesagt, ab kommender Saison als Keeper der ersten Mannschaft zum „Club“ zu kommen. „Momentan konnten wir aber noch nicht klären, ob er jetzt die Sommerwechselmöglichkeit in Anspruch nehmen will oder nicht.“ Das wolle man nun nachholen und „hier auch natürlich jede Entscheidung akzeptieren“.

Hutzler ist sich sicher, dass sich die Verantwortlichen in den Verbänden Gedanken machen, wie es weiter gehen kann, „aber sie sind alle keine Propheten und an die Vorgaben der Politik gebunden“. Um diesbezüglich flexibel zu sein, hat die Lösungs-Arbeitsgruppe „Spielbetrieb Liga und Pokal Erwachsene“ nun einstimmig beschlossen, dass die aktuelle Saison bis 30. Juni 2021 verlängert wird. Die Spielzeit 2020/21 fällt damit aus. Denn: „Der geregelte Spielbetrieb kann aufgrund der aktuellen Zwangspause frühestens ab September 2020 wieder aufgenommen werden“, heißt es seitens des BFV. Zusammen mit den Tatsachen, dass witterungsbedingt nur bis Mitte November gespielt werden könne und dass zig englische Wochen den Amateuren nicht zuzumuten seien,ergebesich ein zeitliches Problem. Mit der Streichung der kommenden Saison löse man das auf.

„Ich persönlich finde es richtig, sportliche Entscheidungen am grünen Rasen stattfinden zu lassen. Auch wenn uns ein möglicher Abstieg droht“,begrüßt Hutzler die Entscheidung. Um sich für den Re-Start fit zu halten, trainieren die erste und zweite Mannschaft des Kreisligisten aktuell in Kleingruppen am Platz – „unter Einhaltung der Hygiene-Vorgaben“. Zuvor hätten alle selbst an ihrer Grundlagenausdauer gearbeitet. „Auch Cyber-Training haben wir angeboten“, erzählt Hutzler.

So wie der Kollege des FCR sieht es auch Bezirksligist Hersbruck: „Es ist aus sportlicher Sicht die gerechteste Lösung.“ Zudem könne niemand sagen, ob ab September überhaupt wieder ein geregelter Spielbetrieb für eine komplette Saison möglich sei.„Deshalb macht es aus unserer Sicht wenig Sinn,die laufende Saison abzubrechen und ab September neu zu starten“, erklärt Herrmann. Denn sollte in den Herbst- und Wintermonaten die Zahl der Covid19- Infektionen ansteigen, der Spielbetrieb wieder unterbrochen werden oder gar Teams in Quarantäne kommen, würde „das ganze Theater von vorne beginnen“. Daher ordnet Herrmann die BFVEntscheidung als „weitsichtig im Hinblick auf die bevorstehende unsichere Zeit“ ein.

Für ein ähnliches Szenario hat sich der BFV bei den Juniorinnen entschieden. Laut Pressemeldung wird die Saison „ab 1. September – wenn durch staatliche Vorgaben möglich – analog des Spielbetriebs bei den Herren und Frauen fortgesetzt“. Der Grund: Die Bindung der Spielerinnen habe bei den Juniorinnen für die Vereine ein viel größeres Gewicht als bei den Junioren.

Bei Letzteren ist die Spielzeit vorbei, weil die Mehrheit „im nicht-aufstiegsberechtigten Spielbetrieb“ aktiv ist, begründet der BFV seinen Beschluss. Die Abschlusstabellen werden auf Basis einer Quotientenregelung gebildet: Das bestplatzierte aufstiegsberechtigte und das auf einem Relegationsplatz stehende Team steigen auf. Absteiger soll es nur geben, wenn Teams punktlos geblieben sind.

2020-06-09T08:25:54+02:00